Archivpädagogik – wozu, warum, für wen?

Archive sind nicht nur für Fachleute da, sondern sie sind auch ein besonders wertvoller historischer Lernort für Lernende unterschiedlicher Schularten und Altersstufen. Doch gelten für sie zum Teil andere Spielregeln. Diese sollten vor allem die Lehrkräfte und auch die Archivfachleute kennen, um gemeinsam den Lernenden die Arbeit im Archiv zu ermöglichen. Dafür werden in der Archivpädagogik Wege aufgezeigt.
Zugleich soll auch die in den Schulen häufige Schwellenangst vor dem Archiv abgebaut werden, als sei das Archivgut für Nicht-Archivare wegen seiner möglichen Schrift- und Sprachbarrieren nahezu unzugänglich.
Besondere Aufmerksamkeit wird zudem in der Archivpädagogik dem didaktisch-methodischen Gewinn gewidmet, der für das Fach Geschichte von der Zusammenarbeit von Schule und Archiv ausgeht.
Schliesslich bietet die Anbindung an Ad fontes die motivierenden Möglichkeiten des darin vorgesehenen Zusammenspiels von virtueller und realer Archivarbeit. 
 

Herrschermonogramm Konrads III. aus der Urkunde von 1143 für das Kloster Einsiedeln (Klosterarchiv Einsiedeln, A.AI.24).
Das Herrschermonogramm besteht im allgemeinen aus einer einheitlichen Grundform von zwei vertikalen Strichen, dazwischen zwei sich kreuzende Schrägstriche; in dieses Raster sind Buchstaben hineinkomponiert. Die Bestandteile ergeben, wenn man das Monogramm entschlüsselt, Namen und Titel des Herrschers, als dessen Ersatzunterschrift es galt. Diese Form der Bestätigung von Urkunden gehört zu der Vielzahl von historischen Informationen, die man nur dann entdecken kann, wenn man das Originaldokument als ganzes betrachtet, wie das im Projekt zur Urkunde von 1143 geschieht.

Das Archiv als historischer Lernort ermöglicht die Begegnung mit authentischen Zeugnissen der Vergangenheit. Die davon ausgehende Motivation hilft, Einstiegsschwierigkeiten rasch zu überwinden. Vor allem aber ist diese Begegnung notwendig, um den Lernenden an der Ganzheitlichkeit des Originaldokuments die Komplexität der Überlieferung bewusst zu machen. Diese historische Dimension geht im Alltag des Klassenzimmers im Umgang mit den in normalisierter Form vorliegenden Quellenausschnitten verloren.
Verloren gehen damit auch die epochenspezifischen Besonderheiten einer Quelle und damit die Einsicht in Kontinuität und Wandel. Sie kann nur am originalen Archivgut gewonnen werden.
Die Lernenden arbeiten in Archiven ihrer heimischen Region - also an Quellen zur Geschichte vor Ort. Damit erkennen und verstehen sie ihre eigene Lebens- und Erfahrungswelt als eine historisch gewachsene. Dies fördert die Identifikation mit diesem Raum und später die Bereitschaft zum politischen Engagement vor Ort.
Schliesslich erfahren die Lernenden im Archiv in einer Art Werkstatterlebnis, wie aus vielen Mosaiksteinen ein Bild, eine fundierte Aussage zu einer historischen Frage, entsteht.

Familiennachrichten während des zweiten Höhepunkts der Grippe-Epidemie; aus: Tagblatt der Stadt Zürich, Nr. 242, 15. Oktover 1918 (Stadtarchiv Zürich).
Zeitungen sind für Lernende ein besonders motivierendes Arbeitsmaterial, weil die Vielfalt ihres Inhalts Neugier weckt. Es gilt nur, diese Neugier nach einer lockeren Einstiegsphase, in der die Zeitung einfach quergelesen werden darf, in die festen Bahnen des zu bearbeitenden Themas zurückzuführen. Die Berichterstattung über die Spanische Grippe - dazu im Vergleich zum Beispiel mit der Vogelgrippe - besitzt so viel Eigenmotivation, dass dies nicht schwer fallen wird.

Die Angst vor Schrift- und Sprachbarrieren, die leider allzu häufig Lehrkräfte vor einer Zusammenarbeit von Schule und Archiv zurückschrecken lässt, ist durch eine sinnvolle Auswahl der Archivalien aufzufangen, die im Vorfeld zwischen Lehrenden und Archivfachleuten abgeklärt wird. Um die Lernenden, die dem Archiv mit Neugier gegenüberstehen, nicht zu demotivieren, dürfen die Barrieren allerdings nicht so weit abgebaut werden, dass nur noch Texte in Maschinenschrift und Druckerzeugnisse ab dem späten 19. Jahrhundert übrig bleiben.
Als Auswahlkriterien kommen in Frage:

  • Bildelemente innerhalb von Archivalien oder reine Bildquellen:
    Integrierte Bildelemente sind beispielsweise Siegel, Initialen, Wappen, Skizzen in Textquellen. Zu den reinen Bildquellen zählen neben alten Darstellungen und Fotos vor allem Pläne und historische Karten.
  • Die Lernenden ansprechende Inhalte:
    Es geht vor allem um Archivgut, das sich mit dem Schicksal einer Person beschäftigt oder als deren unmittelbare Hinterlassenschaft gilt.
  • Spiegelungen eines historischen Prozesses:
    Dabei handelt es sich vor allem um Archivalien mit Spuren laufender Bearbeitung und Umarbeitung.
  • Sich wiederholende Formulierungen:
    Sie finden sich vorrangig in Dokumenten, deren Inhalte aufgelistet sind.
  • Drucktexte:
    Sie sind für motivierte Lernende sogar bis zurück ins 18. Jahrhundert lesbar.
Der Gelehrte und Bischof Isidor von Sevilla am Schreibpult, Ausschnitt aus dem Autorenbild der Libri originum des Isidor von Sevilla, Einsiedeln 10. Jh. (Stiftsbibliothek Einsiedeln, Cod. 167 [140] p1).
Isidor schaut von der Arbeit auf und blickt den Betrachter an. Wohl um zu vermeiden, dass ein Tintenklecks entsteht, hält er die Feder in der rechten Hand nach oben, so dass die Spitze auf ihn zeigt und die Fahne des Federkiels auf das Pergament weist. Auch das Federmesser in der Linken, das zum Nachspitzen der Feder und zum Radieren von Schreibfehlern diente, ist im Augenblick der Ruhe vom Manuskript abgewandt.
Einbeiniges Schreibpult und Sitzbank gehörten zur Grundausstattung des Arbeitsplatzes eines Schreibers; Polster, Decken und Teppiche sind ein Zugeständnis des Miniaturenmalers an das hohe Amt Isidors. Die unbequeme Körperhaltung vor dem kleinen Pult wird aber auch auf diesem Bild deutlich. Andere Überlieferungen vom Schreiberalltag verraten noch mehr von der Härte der Arbeit und vom Umgang mit zahlreichen weiteren Gerätschaften.

Auf zwei Umgangsebenen kann das Archiv altersspezifisch eingesetzt werden:

  • 1. Zur Vermittlung von fachspezifischen Erkenntnissen:Es ist die Ebene, die im Allgemeinen mit Archivarbeit verbunden wird - Auffinden und Auswerten von Archivalien. Dabei geht es um die Kompetenzen des Recherchierens, Lesens, Transkribierens, eventuell des Übersetzens oder Übertragens in den heutigen Sprachgebrauch, gefolgt von der Interpretation der Quelle. Es können auf dieser Ebene auch Bildquellen wie beispielsweise historische Karten eingesetzt werden.
  • 2. Zur Spiegelung von Lebenswirklichkeiten anderer Epochen: Das Archivale ist nun nicht Gegenstand von Textarbeit, sondern es wird als Zeugnis der Andersartigkeit einer für den Lernenden fremden Zeit eingesetzt. Die Schrift ist zum Beispiel ein Ausdruck dafür. Die Frage nach den Schreibgewohnheiten löst die konkretisierende und vertiefende Nachahmung aus.
    In den allgemeinbildenden Schulen herrscht der Trend zu solchen handlungsorientierten Aufgaben bis zur 10. Klassen vor. Ab dieser Stufe wird die Archivarbeit stärker zur gezielten Erweiterung und Vertiefung der Unterrichtsinhalte im Fach Geschichte herangezogen; damit gewinnt zunehmend die Textarbeit an Bedeutung.
Ausschnitt aus der Westfassade der Einsiedler Kloster- und Wallfahrtskirche. Seitenportal und ovales Fenster bilden eine Einheit.
Das mit einem Segmentgiebel bekrönte Fenster ist Teil einer Reihe hochovaler Fenster, die über dem Sockelgeschoss liegen und die Kirchenfassade auf voller Breite durchziehen. Das Auftreten derartiger identischer Formen kennzeichnet die Gestaltung der gesamten Fassadenstruktur und dient dem optischen Zusammenhalt ihrer Elemente.
Abweichende Aufrisse aus der Planungsphase und historische Abbildungen, beide aus Beständen des Stiftsarchivs, vertiefen das Verständnis für die Geschlossenheit der Fassade - ein Projekt, das historische Archivarbeit mit Kunstgeschichte verbindet und dem fächerübergreifenden Unterricht dient.

Zu den Möglichkeiten, fachspezifische Erkenntnisse im Archiv zu erwerben, gehören für Lernende:

  • 1. Die Archivführung: Sie ist die älteste, nicht schulartspezifische Form. Wegen des vorgegebenen Programms geht sie zu wenig auf die individuellen Interessen der Lerngruppen ein; auch kann es zu keiner Auseinandersetzung mit einzelnen Archivalien kommen.
  • 2. Integration der Archivarbeit in den Geschichtsunterricht: Die ausgesuchten Archivalien sind inhaltlich in den Unterricht integriert. Um sie zu sehen und zu bearbeiten, gehen die Lernenden für kürzere Zeit (2 - 4 Stunden) ins Archiv und arbeiten dort nach ihnen vorgegebenen Arbeitsaufträgen. Es ist ein effektives, aber stark lehrerzentriertes Vorgehen.
  • 3. Projektorientiertes Arbeiten und Projekte im Vollsinn: Dafür ist möglichst weitgehende Selbständigkeit der Lernenden gefordert - die Rolle der Lehrkraft ist auf Moderation und Beratung ausgerichtet. Im Vordergrund steht die Zusammenarbeit von Lernenden und Archivfachleuten. Projektarbeit eignet sich besonders für fächerverbindendes Arbeiten; das Archiv wird dadurch mit anderen Lernorten kombiniert.
  • 4. Arbeitsgemeinschaften: Bieten die Bildungspläne nur wenig Raum für Projekte, kann den Lernenden in Arbeitsgemeinschaften Vergleichbares angeboten werden.
Wappen des «Edel und Vest Jungckher Christoff Wilhelm von Stotzingen, zue Dischingen und Heudorf», Eintrag im Guttäter-Buch des Stiftes Einsiedeln zum Jahr 1599 (Klosterarchiv Einsiedeln, A.WD.11a, fol. 144v).
Das sogenannte Guttäter-Buch ist ein exemplarischer Fall eines Archivales, dessen Schrift zwar überwiegend eine relativ hohe Barriere aufweist, das aber in seiner bildhaften Ausgestaltung (Wappen und kalligraphische Passagen in der Textgestaltung) zum Betrachten motiviert und mit der Methode des ansehenden Lesens von den Lernenden in den historischen Kontext zum Beispiel der Geschichte des Stiftes Einsiedeln und seiner Wallfahrt eingeordnet werden kann.

Handgeschriebene Archivalien liest man nur selten vom Blatt; das Entziffern gleicht eher einem Puzzle-Spiel. Man geht von einzelnen lesbaren Wörtern aus, sucht dann die darin vorkommenden Buchstaben und -kombinationen in andern Wörtern. So werden Wortteile lesbar, die sich allmählich zu sinnvollen Begriffen und Sätzen zusammenfügen.
Das «ansehende Lesen» meint, dass bei hoher Schriftbarriere nicht der gesamte Text eines Archivales gelesen wird, sondern dass durch genaues Beobachten nur einzelne Wörter, häufig Orts- oder Eigennamen, entziffert werden. Sie weisen dieses Dokument als historisches Zeugnis für ein bearbeitetes Thema aus und stellen den Zusammenhang zwischen ihm und anderen Quellen her. Zugleich zeigt sich auch noch eine Kontinuität in der Schrift.
Lernende können die Höhe der Barrieren selbst festlegen, wenn sie für ein Grossprojekt in Gesprächen mit den Archivfachleuten das Archivgut für ihre Arbeit auswählen.
Ein die Lernenden ansprechendes Endprodukt ihrer Archivarbeit (zum Beispiel Ausstellung, Führung) spornt sie zu besonderer Leistungsbereitschaft an.
Die Kombination von Archivalien mit Sachüberresten (zum Beispiel aus Museen) konkretisiert die gelegentlich abstrakten Inhalte der Textarbeit und fördert die Motivation.

Fraumünster und Einsiedler Hof (links neben der Brücke) mit Teilen des Münsterhofs im 16. Jh., Ausschnitt aus der Ansicht der Stadt Zürich von Jos Murer, 1576 (Druck zum 100-jährigen Jubiläum, Vermessungsamt der Stadt Zürich, 1996).
Dem Münsterhof und seiner wechselnden Bebauung gilt in diesem Projektbeispiel im Ressourcenteil, das den Lernenden vor allem die historische Dimension von Kontinuität und Wandel nahe bringt, besondere Aufmerksamkeit. Dieses Stadtquartier und - je nach Anzahl der Projektgruppen einige andere - werden an Hand von Archivalien im längsschnittlichen Verfahren vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart in ihrer baulichen Entwicklung betrachtet.

Jedes Projekt, auch das überwiegend im Archiv realisierte, lebt von der Selbständigkeit der Lernenden. Die Lehrkräfte treten in eine moderierende und beratende Funktion zurück. Trotzdem müssen sie im Vorfeld zusammen mit den Lernenden und vor allem den Archivfachleuten dafür sorgen, dass die zu bearbeitende Aufgabe deutlich umrissen, das anzustrebende Ziel klar formuliert und die Bearbeitungszeit genau begrenzt ist.
Je nach Schulart und Altersstufe der Lernenden wechselt das Mass an zumutbarer Selbständigkeit, an Umfang und Anforderungsniveau der Aufgaben. Dies führt zu fliessenden Übergängen vom bloss projektorientierten Arbeiten bis hin zum Projekt im Vollsinn.
Damit ändert sich auch die Rolle der Archivfachleute. Schon in der gemeinsamen Vorbereitungsphase von Archivfachleuten und Lehrkräften reichen die Möglichkeiten von einer Voraus-Auswahl der Archivalien, die dann allerdings in Eigenverantwortung von den Lernenden bearbeitet werden, bis zu einem blossen Informationsgespräch. Darin werden die geplante Aufgabenstellung, ihre methodischen Ziele und die Eigenheiten der Lerngruppe besprochen. Die Materialauswahl erfolgt gemeinsam durch Archivfachleute und Lernende; die Zusammenarbeit beider steht bei diesem voll entwickelten Projekt im Vordergrund.

Die Stifter - Lüdolf, dessen Frau Judenta und ihr gleichnamiger Sohn - in der Urkunde Lothars III. von 1136 für das Kloster Einsiedeln (Klosterarchiv Einsiedeln, A.AI.22).
Mittelalterliche Pergamenturkunden erfüllen die Erwartungen der Lernenden vom ganz Anderen, nicht Alltäglichen, das das Archiv bietet. Aber gerade da ist vor allem für jüngere Lernende die Schrift- und Sprachbarriere so hoch, dass man einen anderen Weg suchen muss, um ihnen die Begegnung mit diesen Dokumenten zu ermöglichen. So ergibt sich für sie das handlungsorientierte Vorgehen:
Um die Lernenden an die Andersartigkeit dieser historischen Zeugnisse heranzuführen, wird die Urkunde zunächst gemeinsam angesehen, werden ihre Besonderheiten in der Schreibkultur und der Besiegelungspraxis wahrgenommen. Danach wird - ausgehend von einer Übersetzung - durch die Lernenden ein Rollenspiel erarbeitet, dessen Inhalt sich am Urkundentext , vorrangig der Narratio, orientiert. Besonders geeignet sind für dieses Vorgehen Schenkungs- und Bestätigungsurkunden.

Ja - wenn das spielerische Element nicht zum Selbstzweck wird, sondern in einen historischen Kontext eingebunden ist. So können altersstufengemäss historische Einsichten vermittelt werden, die man sogar über Quiz, Lückentexte oder multiple-choice-Fragen abprüfen kann.
Zum Teil sind die spielerisch handlungsorientierten Methoden archivtypisch wie beispielsweise der Nachvollzug mittelalterlicher Schreibgewohnheiten vom Zuschneiden des Federkiels über das Mischen von Tinte bis zum schreibenden Umgang mit alten Alphabeten. Daran haben auch Lernende auf der Oberstufe ihre Freude und selbst erwachsene Besucher, wie die in der Zwischenzeit in jeder grösseren Handschriftenausstellung üblich gewordene Schreibstube verrät.
Zum Teil sind sie Anleihen bei der Museumspädagogik, die derartige Vorgehensweisen schon seit längerer Zeit für sich entdeckt hat. Dazu gehört etwa das Rollenspiel. Es vermittelt einen genauen Einblick in die Inhalte von Archivalien, da eine intensive Beschäftigung damit notwendig ist, bevor dieser in den Spieltext eines Rollenspiels umgesetzt werden kann.
Als weitere Möglichkeit können auch Bildquellen in ein Puzzle zerlegt oder einfach nachgezeichnet werden.

Schlagzeile des Extrablattes der Neuen Zürcher Zeitung vom 24. September 1933 (Stadtarchiv Zürich).
Zur Bearbeitung von örtlichen Zeitungen sind die Lernenden in der Regel gut motiviert, denn deren Berichterstattung überliefert Vorgänge, die den Menschen vor Ort nahe gegangen sind oder noch nahe gehen. Zugleich gehören örtliche Zeitungen zum typischen Archivgut von Stadtarchiven, die ihrerseits wiederum die für schulische Projekte am häufigsten aufgesuchten Archivarten sind. Es ist darum besonders ergiebig, gerade aus einem Projekt, in dem die Arbeit an örtlichen Zeitungen in einem Stadtarchiv im Mittelpunkt steht, ein Transfer-Raster zu entwickeln.

In der Archivpädagogik spielt - wie allgemein in der Archivpädagogk - der Transfer eine sehr wichtige Rolle. Wenn unter Einsatz bestimmter Quellengattungen und Methoden ein Thema in einem bestimmten Archiv bearbeitet worden ist, kann man daraus Grundsätzliches ableiten - also ein Raster entwickeln - wie ein verwandtes Thema in einem vergleichbaren Archiv realisiert werden kann.
Denn die Archivpädagogik will ja nicht einfach gelungene Einzelbeispiele um ihrer selbst willen vorstellen, sondern hat Handreichungscharakter. Dies bedeutet, dass die pädagogischen Überlegungen an - meist exemplarischen - Fällen mit dem Ziel konkretisiert werden, dass daraus ein für den Unterricht an beliebigen Schulorten realisierbarer Archiveinsatz ableitbar ist.
Stadtarchiven kommt für den schulischen Einsatz besondere Bedeutung zu. Trotz individueller Sonderentwicklungen einzelner Städte (zum Beispiel Archivgut zu einem spektakulären Stadtbrand) haben alle Archive dieses Typs einen Kernbestand gleicher Quellengattungen (Ratsprotokolle, Rechnungsbücher, Gerichtsprotokolle, örtliche Zeitungen) so dass sich der Archivtyp Stadtarchiv zusammen mit bestimmten Quellengattungen - beispielsweise den örtlichen Zeitungen - für einen Transfer eignet.