Eine Bulle Julius’ II. an die Eidgenossen (1512)

Transkription des Kontexts

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Edition der Bulle in: Amtliche Sammlung der älteren Eidgenössischen Abschiede: Die Eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraume 1500-1520, Bd. 3/2, bearbeitet von Anton Philipp Segesser, Luzern 1869, Nr. 453, S. 631-633.
Online: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/207967

La Transkription est:

Nos predecessorum nostrorum Romanorum pontificum vestigiis inherentes, qui bene gerentes / pro ecclesia prefata honoribus extulere et insignibus cognominibus decorarunt, ad propriam laudem et gloriam eorum et gratitudinis Romane ecclesie testimonium, cupientes erga / Helvetios prefatos pro meritis condignas gratitudinis vices ostendere, de venerabilium fratrum nostrorum, sancte Romane ecclesie Cardinalium, consilio et apostolica auctoritate Helvetios / predictos titulo et honore defensorum ecclesiastice libertatis insignimus et decoramus eosque perpetuis futuris temporibus ecclesiastice libertatis defensores dici et appellari volumus / et decernimus ac eis in signum vere fidei et virtutum duo vexilla, bandera nuncupata, pro duodecim lateribus seu partibus, quas ipsi Cantones / vocant, cum clavibus, armis et insigniis nostris et ecclesie prefate, quibus ipsi perpetuo utantur et gaudeant, et que per dilectum filium Matheum, / titulo sancte Potentiane presbyterum Cardinalem, in partibus Lombardie legatum nostrum de latere, eis assignari per alias nostras litteras mandavimus, de eorundem fratrum consilio et auctoritate / eadem concedimus et elargimus.
Traduction:

Den Spuren unserer Amtsvorgänger als römische Bischöfe folgend, welche Wohltäter der Kirche mit Ehren ausgezeichnet und mit besonderen Beinamen geschmückt haben, zu ihrem eigenen Lob und deren Ruhm und zum Zeugnis der Dankbarkeit der römischen Kirche, wollen wir den vorgenannten Eidgenossen für ihre Verdienste ebenso würdige Gegenleistungen der Dankbarkeit zeigen. Wir ehren und schmücken die vorgenannten Eidgenossen daher, im Einvernehmen mit unseren erwürdigen Brüdern, der Kardinäle der römischen Kirche, und kraft unserer apostolischen Vollmacht, mit dem Titel und dem Rang «Verteidiger der kirchlichen Freiheit» und wir wollen, dass sie in Zukunft für ewige Zeiten als «Verteidiger der kirchlichen Freiheit» benannt und bezeichnet werden. Auf den Rat derselben Brüder und durch dieselbe Gewalt gewähren und schenken wir Ihnen zum Zeichen des wahren Glaubens und der Tapferkeit für die zwölf Gegenden oder Regionen, die sich selbst Kantone nennen, zwei Fahnen, Banner genannt, mit unseren und der vorgenannten Kirche Schlüsseln, Waffen und Insignien, von denen sie beständig Gebrauch machen und sich daran erfreuen dürfen, und die wir durch andere unsere Briefe durch unseren geliebten Sohn, Matthäus, Kardinalpriester der Titelkirche der Heiligen Pudenziana, unseren päpstlichen Legat in der Region der Lombardei, zu überreichen befohlen haben.

In den Eidgenössischen Abschieden liegt die Bulle Julius' II. im Volltext transkribiert vor. Allerdings zeigt sich anhand dieses Beispiels, wie wichtig es ist, Urkunden auch im Original studieren und gegebenenfalls selbst transkribieren zu können. Auch Editionen sind nicht vor Fehlern gefeit. Betrachtet man den Text der Transkriptionsübung, so finden sich bereits für den kurzen Auszug zwei Fehler in der Ausgabe der Eidgenössischen Abschiede! Zu überprüfen wäre, wo die Fehler genau passiert sind - bei der Inserierung des Bullentextes in die Eidgenössischen Abschiede oder erst bei deren Edition.

Erwähnung findet die Bulle (in einer frühneuhochdeutschen Übersetzung) auch in der Berner Chronik des Valerius Anselm (1475-1547), einem Gegner der Reisläuferei:
Valerius Anshelm's, genannt Rüd, Berner-Chronik, von Anfang der Stadt Bern bis 1526, herausgegeben von Rudolf Emanuel Stierlin und Johann Rudolf Wyss, Bd. 4: Der Ausgang des Jetzerischen Handels, 1508 und fernere Geschichtserzählungen bis zu Ende des Jahre 1513, Bern 1529, S. 263-265.

Nicht überliefert ist die Bulle im Urkundenbuch der der Stadt und Landschaft Zürich. Dieses beinhaltet lediglich Urkunden der Jahre 741-1336 - unsere Bulle stammt jedoch aus dem Jahr 1512.