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Archivaufgabe 2: Das Videoladen-Archiv

Die Videos des Videoladens bildeten einen Teil einer von der Bewegung gestalteten intermedialen Gegenöffentlichkeit, deren Medien sich auch aufeinander bezogen. Hier ein mit Hilfe des Videoladens hergestelltes Video, in dem die Redaktion der Bewegungszeitung Der Eisbrecher ihr Medienprojekt vorstellt. Wäckerli, Urs: Eisbrecher, Zürich 1981, Schweizerisches Sozialarchiv, F_Videos: Videobestand Stadt in Bewegung, Signatur: Vid V_017, © Urs Wäckerli, Online: Schweizerisches Sozialarchiv [Stand: 15.05.2021].

Der Videoladen Zürich - Einleitung

Inspiriert von deutschen Video- und Medienaktivist*innen und den kanadischen Videobewegungen taten sich in Zürich studentische Aktivist*innen um das neue Medium zu einer Gruppe zusammen. Der Fokus lag darauf, lokale soziale Bewegungen medial zu begleiten, ihnen Material und Know-how in Videotechnik zur Verfügung zu stellen und ihnen damit auch die Möglichkeit eines medialen Selbstausdrucks »von Unten« mittels bewegter Bilder zugänglich zu machen. Als sich im Zusammenhang mit dem Opernhauskrawall und der Forderung nach autonomen kulturellen Freiräumen im Sommer 1980 in Zürich und anderswo eine militante und dynamische Jugendbewegung formierte, beteiligten sich die Videoaktivist*innen  von Anfang an und nahmen Aktionen, Demos, Diskussionen und bewegtes »Alltagsleben« auf Videotape auf. Das Resultat war der Bewegungsfilm Züri brännt, der international Wellen schlug. Das neue Medium erlaubte aber nicht nur die Selbstdokumentation der Bewegung. Die Aufnahmen wurden auch direkt in die Bewegung zurückgespiegelt: Bilder, die am Morgen an der Demo gefilmt wurden, konnten am Nachmittag geschnitten und am Abend schon an Vollversammlungen oder im Autonomen Jugendzentrum (AJZ) kollektiv angeschaut werden. Das Format Video wurde so zu einem der wichtigsten Ausdrucks- und Kommunikationsmittel der Jugendbewegung, sowohl nach aussen im Versuch eine mediale Gegenöffentlichkeit zu erschaffen, als auch nach innen als bewegtes »Selbstbild« der Bewegung, dessen kollektives Schauen Identifikations- und Mobilisierungskraft stiftete.