07 / 07

Blasonierung

Wappen der Freyberg im Scheibler'schen Wappenbuch (15. Jh). Bild: Wikimedia Commons

Wappen der Freyberg in Siebmachers Wappenbuch (1605). Bild: Wikimedia Commons

Die Beschreibung eines Wappens mit der entsprechenden Terminologie heisst in der heraldischen Fachsprache Blasonierung. Man kann dies zweifelsohne als Kunstsprache mit eigenen Regeln bezeichnen, wobei jedoch kein allgemein verbindliches Regelwerk existiert, sondern eher Normen und Konventionen. Das Blasonieren in deutscher Sprache ist dabei eine besondere Herausforderung, da sich im deutschen Sprachraum lange keine einheitliche heraldische Sprache entwickelte. Im Gegensatz dazu setzte sich im Französischen schon früh im 13. Jh. eine relativ feste Fachsprache fest, die auf viele romanische Länder und auch England übertragen wurde. Die Blasonierung ist im Gegensatz zum gemalten Wappen verbindlich. Der Aufriss, also die künstlerische Umsetzung des Wappens, lässt gewisse Freiheiten zu, während die Blasonierung eindeutig zu sein hat.

Hier siehst du zwei Aufrisse des Wappens der Familie Freyberg. Obwohl die Schildstellung und -form und auch der Helm Unterschiede aufweisen, würde dies die Blasonierung nicht ändern. Zwei kleine Unterschiede würden die Blasonierung aber ändern. Im oberen Wappen ist ein Federbusch auf dem Helm zu sehen, während unten klar fünf Federn zu erkennen sind. Findest du auch den zweiten Unterschied? Tipp: Schau Dir die Helmdecke an.

Bild: e-codices

Am Wappen von Kärnten in der Zürcher Wappenrolle sollen diese Grundregeln durchgespielt werden. Ausgangspunkt ist eine falsche Blasonierung, welche diese Regeln nicht einhält:

Oben Pfauenfedern auf einem goldenen Kübelhelm mit roter Kappe und mit goldener Helmkrone. Der Schild gespalten: links in Gold 3 schwarze Löwen, die nach links schreiten, und rechts ein weisser Balken auf goldenem Grund.

Diese Blasonierung hält die Reihenfolge nicht ein, da der Helm zuerst blasoniert wird. Es wird ausserdem aus der Sicht des Betrachters blasoniert, das heisst rechts und links sind vertauscht. Zudem ist sie nicht kurz und eindeutig, da umständliche Formulierungen, wie "auf goldenem Grund" und die heraldische Fachsprache nicht gebraucht wird. Überdies wurden wichtige Details wie die Stellung der Löwen weggelassen. Eine korrekte Blasonierung wäre demnach:

Geteilt: rechts in Gold drei pfahlweise gestellte, schreitende, schwarze Löwen und links in Rot ein silberner Balken. Auf dem goldenen Helm mit roter Helmdecke und goldener Helmkrone ein Pfauenstoss.

Wenn du Wappen blasonieren möchtest, musst du dir den heraldischen Grundwortschatz aneignen und dich mit den Konventionen der Beschreibung bekannt machen. Im Folgenden lernst du drei einzuhaltende Grundregeln für das Blasonieren von Wappen kennen, an welchen sich AnfängerInnen orientieren können. Diese beruhen auf den Bemühungen von HeraldikerInnen und heraldischen Vereinen, die Fachsprache der Blasonierung zu vereinheitlichen.

  1. Die Beschreibung muss kurz und eindeutig sein. Dies ist die wichtigste Regel der Blasonierung, der sich alle anderen Regeln unterordnen. Dies heisst, dass Übliches und Selbstverständliches nicht blasoniert wird, Ausserordentliches und Spezielles aber gemeldet werden muss. Dabei ist auch der korrekte Gebrauch der heraldischen Fachsprache wichtig.
  2. Die Reihenfolge der Elemente des Wappens muss eingehalten werden. Zuerst wird der Schild, dann das Oberwappen und zum Schluss werden noch die Prunkstücke blasoniert.
  3. Die Blasonierung erfolgt aus der Sicht des Schildträgers, das heisst vom Betrachter aus gesehen sind rechts und links vertauscht.

Da der Schild das Hauptelement des Wappens darstellt, hat sich für diesen eine viel genauere Fachsprache zur Blasonierung ausgebildet als bei den anderen Bestandteilen. Die Blasonierung des Oberwappens und der Prachtstücke gestaltet sich freier. Es kommt vor, dass daher oft nur der Schild beschrieben wird – korrekterweise ist jedoch stets das ganze Wappen zu blasonieren.

Die Selbstkontrolle der korrekten Blasonierung ist empfehlenswert. Am besten legst du das Wappen weg und liest die Blasonierung nochmals genau durch. Es sollte nun möglich sein, das Wappen nur aufgrund der Blasonierung nachzeichnen zu können. Oft sind verschiedene Blasonierungen korrekt, solange sie sich an der Fachsprache und den Grundregeln orientieren.

Der Herold wird bei dieser Helmschau die Wappen wohl genau inspiziert und blasoniert haben. Bild: Bayrische Staatsbibliothek

Es ist eigentlich unmöglich, den gesamten Grundwortschatz der heraldischen Sprache aufzulisten, da es Tausende von Begriffen gibt. An dieser Stelle sollen darum nur einige Dutzend besonders häufige Begriffe und Konzepte vorgestellt werden. Damit solltest du die meisten simplen Wappen blasonieren können. Zur besseren Übersichtlichkeit sind die Begriffe in Unterkapiteln zusammengefasst. Beachte, dass die Begriffe nicht alphabetisch, sondern nach ähnlichen Formen und heraldischer Logik geordnet sind. Die dazugehörigen Erläuterungen und Beispielbilder kannst du durch einen Klick auf den entsprechenden Begriff öffnen.

Auch heute gibt es noch Herolde. Diejenigen mit den höchsten heraldischen Ämtern werden dabei Wappenkönige genannt. Diese Ämter existieren heute noch in England und haben eine wichtige zeremonielle Funktion für die Krone. Sir William Weldon war zu Beginn des 20. Jh. zuerst Norroy, nördlicher Wappenkönig, und später dann Clarenceux, Wappenkönig des südlichen Teils von England. Bild: Wikimedia Commons

Hier lernst du Begriffe und Konzepte zur korrekten Blasonierung von Wappen kennen. Sie sollen besonders AnfängerInnen einen Einstieg in die heraldische Sprache bieten. Einige Begriffe überschneiden sich mit bereits vorher erklärten Grundbegriffen in diesem Tutorium. Sie werden hier der Vollständigkeit halber noch einmal aufgeführt.

  • Melden
  • Heraldisch rechts und links
  • Oben und unten
  • Schildtopographie
  • Schildüberlagerungen

Auch wenn die Wappen ausserhalb Europas sich nicht streng an heraldische Regeln halten (warum sollten sie auch), kann ihnen vor allem in Südamerika die Farbenpracht nicht abgesprochen werden, so wie hier im Wappen Boliviens. Bild: Wikimedia Commons

Unter Tinkturen versteht man die heraldische Farbgebung, sprich die Wappenfarben. Sie werden in eigentliche Farben, Metalle und Pelzwerke eingeteilt. Die Farbregel ist dabei besonders zu beachten.

Farben

  • Rot
  • Blau
  • Grün
  • Schwarz
  • Purpur

Metalle

  • Gold oder Gelb
  • Silber oder Weiss

Pelzwerke

  • Hermelin
  • Feh
  • Kürsch

Als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, König von Spanien und noch einigen Titeln mehr, begann das Wappen von Karl V. durch Wappenvereinigungen zu wachsen. Resultat war ein Wappen, das sich durch eine Vielzahl an Heroldsbildern auszeichnet. Das Schild ist zwar unübersichtlich, muss es ja alle Titel und Besitzungen abbilden, aber trotzdem wird dank dem Doppeladler, den Säulen und der Flagge im Hintergrund gleich ersichtlich, dass es sich um den Kaiser des HRR und König Spaniens handeln muss. Bild: WikiCommons.

Durch einzelne Linien (Schnitte), kann ein Schild in zwei oder mehr Felder unterteilt werden, die dann unterschiedlich tingiert werden. Die entstehenden Muster nennt man Heroldsbilder. Felder können ihrerseits durch Schnitte geteilt werden, so dass Schildteilungen zur Gestaltung von sehr komplexen Wappen genutzt werden können. Die Linien berühren normalerweise den Rand des Schildes bzw. Feldes, das sie teilen.

Wenn nichts anderes gesagt wird, sind Schnitte gerade und teilen einen Schild bzw. Feld in zwei gleich große Felder; ein gespaltener Schild wird z.B. durch eine senkrechte gerade Linie genau in der Mitte des Schildes geteilt. Beim Blasonieren benennt man erst die Art der Teilung und dann die Farben, z.B. meint «Gespalten von Rot und Silber», dass die heraldisch rechte Schildhälfte rot, die andere weiß ist.

Andere, etwas kompliziertere Teilungen haben eigene Namen, z.B. das sehr häufige Kreuz oder der Balken; beim Blasonieren benennt man dabei erst die größere Fläche (den Hintergrund), dann das Heroldsbild, z.B. «in Silber ein rotes Kreuz».

Eine kleine Auswahl soll dir einen Überblick über besonders häufige Formen geben:

  • Balken
  • Geteilt
  • Schräggeteilt
  • Schräglinksgeteilt
  • Mehrfach geteilt
  • Pfahl
  • Gespalten
  • Mehrfach gespalten
  • Schildhaupt
  • Schildfuss
  • Deichsel
  • Deichselschnitt
  • Göppel
  • Vierung
  • Schrägvierung
  • Spitze
  • Sparren
  • Gemeines Kreuz

Die rechts genannten Schnitte in Beispielen aus dem Wappenbuch des Konrad von Grünenberg. Alle Abbildungen nach dem Digitalisat der Münchener Handschrift (München, BSB, Cgm 145).

Die Linien, mit denen ein Schild geteilt wird (Schildteilungen) sind in aller Regel gerade, gelegentlich aber nicht. Beim Blasonieren muss dies immer angegeben werden – wird nichts angegeben, handelt es sich um gerade Linien.

Nicht-gerade Schnitte wiederholen bestimmte Elemente und sind meist symmetrisch zu ihrer Grundlinie; die Zahl der Wiederholungen wird meist nicht angegeben und hängt oft auch davon ab, wie groß die jeweilige Wappendarstellung ist. Damit man die Wiederholung als solche erkennt, sollten es aber mindestens zwei oder drei sein.

Die häufigsten nicht-geraden Schnitte sind:

  • Wolkenschnitt
  • Zinnenschnitt
  • Wellenschnitt
  • Spickelschnitt

Einige Wappen bringen uns aufgrund ihrer uns befremdenden Figur ins Stutzen, so wie jenes von Coburg. Mohren(köpfe), wie sie in der Heraldik genannt werden und Menschen mit schwarzer Hautfarbe zeigen, sind oft in Wappen anzutreffen. Manchmal ist ihre Herkunft unklar, teilweise lassen sie sich auf eine Legende zurückführen, oder oft stehen sie mit dem Heiligen Mauritius, einem christlichen Märtyrer aus dem 3. Jh., wie in diesem Fall, im Zusammenhang. Die Figur befindet sich seit dem 15. Jh. im Stadtwappen und wurde seither nur unter dem Nationalsozialismus durch ein Schwert ausgetauscht. Bild: Wikimedia Commons

Es gibt eine unendliche Anzahl an gemeinen Figuren. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Ob ein mächtiger Löwe, ein schauriger Totenkopf, ein heimeliger Kachelofen oder eine gestümmelte Ente ohne Schnabel und Füsse, heraldisch Merlette genannt – alles ist erlaubt. Meistens ist schnell ersichtlich, um was für ein Tier oder Gegenstand es sich handelt. Aber manchmal muss man genau auf die Details achten. Hier sollen darum einige wenige Figuren vorgestellt werden, damit du ein Gefühl bekommst, worauf du bei gemeinen Figuren achten musst.

  • Mönch
  • Heilige
  • Arm
  • Löwe
  • Bär
  • Adler
  • Drache
  • Linde
  • Lilie
  • Rose
  • Berg
  • Heraldischer Stern
  • Burg
  • Hausmarke
  • Turnierkragen

Der kastilische Löwe ist in dieser Darstellung eindeutig rot (nicht purpurn) tingiert; neben der Färbung selbst kann dafür auch das für den Maler vorgeschriebene «r» als Beleg dienen, das in allen roten Feldern erkennbar ist.

Virgil Solis, Wappenbüchlein […], Nürnberg 1555, s.p.; Bild: Digitalisat.

Vor allem ab dem 16. Jahrhundert werden sehr komplexe Wappen mit vielen Feldern häufiger. Solche Wappen sind in aller Regel das Ergebnis einer mehrstufigen Kombination: Zwei oder mehr Wappen werden durch Teilung, Spaltung oder Vierung kombiniert, die kombinierten Wappen ihrerseits mit anderen Wappen kombiniert usw. Ein bekanntes Beispiel ist das sprechende Wappen von Kastilien-León, das aus den Wappen von Kastilien (eine goldene Burg in Rot) und León (ein roter oder purpurner Löwe in Silber) gebildet wurde, meist in Form einer Vierung mit dem kastilischen Wappen im ersten und vierten Feld.

Die grosse Zahl der Felder ergibt sich bei Herrschern wie Kaiser Karl V. daraus, dass die Grösse der eigenen Herrschaft durch die Aufnahme möglichst vieler Wappen herausgestellt wurde, analog zu den sehr langen Titeln, die viele Könige und Kaiser in ihren Urkunden anführen («Wir, Karl V. von Gottes Gnaden römischer Kaiser, König von Deutschland, Spanien, beiden Sizilien, Jerusalem, Ungarn, Dalamatien,  Kroatien etc., Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund etc., Graf von Habsburg […]».)

Wenn man die stufenweise Entstehung eines komplexen Wappen und seine «Vorgänger» kennt, ist die Beschreibung meist leichter. Die Darstellung des Wappen des kaiserlichen Wappen von 1555 bei Virgil Solis lautet z.B. «Geviert und mit einem Herzschild belegt. Der Herzschild ist gespalten, vorne in Silber ein roter, bekrönter Adler, hinten in Gold ein schwarzer Löwe. Das erste Feld ist gespalten, vorne gespalten von Rot mit einer goldenen Burg und einem roten, goldbekrönten Löwen in Silber, hinten ein silberner Balken in Rot. Das zweite Feld …» usw.

Eine Turnierszene aus Frankreich aus dem 15. Jh. zeigt, wie am Vortag des Turniers die Helme und ihre Zier kontrolliert werden. Der Besitzer des zu Boden geworfenen Helms wird wohl nicht zum Turnier zugelassen werden. Bild: Gallica

Wie bereits erklärt, darfst du den Helm keinesfalls vernachlässigen. Er ist ein zentrales Element des Wappens und muss auch blasoniert werden und darum sollen hier einige wenige Dinge rund um den Helm vorgestellt werden. Das wären zuerst die wichtigsten Helmtypen, die du im Blason nicht erwähnen musst, da die Helmart für das Wappen irrelevant ist. Trotzdem hilft es, die wichtigsten heraldischen Helme zu kennen. Das zentrale Element des Helms ist aber die Helmzier, auch Zimier oder Helmkleinod genannt, also was oben auf dem Helm sitzt oder emporragt. Grundsätzlich können alle gemeinen Figuren auch als Helmzier gebraucht werden: von Bärenpranken über Heiligenköpfe bis zu Kutschenrädern ist alles möglich. Aber es gibt einige Gegenstände, die hauptsächlich als Helmzier vorkommen und darum hier besonders berücksichtigt werden.

  • Topfhelm
  • Kübelhelm
  • Stechhelm
  • Spangenhelm
  • Wulst
  • Helmkrone
  • Schirmbrett
  • Flug
  • Pfauenstoss
  • Büffelhörner